Neue Schutzschicht auf Implantaten verhindert Thrombosebildung
05.04.2012 – 09:04Ob künstliche Implantate im menschlichen Körper verträglich sind und lange halten, hängt von verschiedenen Bedingungen ab. Wenn durch ungebremstes Zellwachstum auf Implantaten das Risiko für eine Thrombose steigt, ist häufig nach kurzer Zeit eine zweite Operation mit weiteren Folgerisiken für den Patienten notwendig. Saarbrücker Materialforscher entwickelten jetzt Schutzschichten, die die Thrombosebildung auf Stents und Herzklappen verhindern. Vom 23. bis zum 27. April 2012 präsentieren die Forscher des INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien diese und weitere Ergebnisse auf der Hannover Messe in Halle 2 am Stand C54 auf der Leitmesse „Research and Technology“.
Durch eine besondere Form der Gasphasenabscheidung, der sogenannten plasma enhanced chemical vapour deposition (PECVD), gelingt es den Forschern, biokompatible Schichten mit einer Dicke von wenigen Nanometern herzustellen. Die Schicht erhöht einerseits das Anhaften erwünschter Endothelzellen. Damit wachsen solche Implantate gut im Körper an. Gleichzeitig verringert die Schicht die Anlagerung unerwünschter glatter Muskelzellen. Die Bildung von Plaques oder aggressives Zellwachstum, werden mit der neuen Schicht verhindert.
„Die besondere Auftragetechnik aus der Gasphase heraus ermöglicht nicht nur eine Abscheidung auf Stents“, erklärt Cenk Aktas, Leiter des Programmbereichs CVD/Biooberflächen. „Wir arbeiten daran, dieses Verfahren und die Zusammensetzung der Schicht so zu verändern, dass wir sie auch auf Herzklappen oder anderen Implantaten auf Metallbasis, wie zum Beispiel Titan, anwenden können“, so der Materialwissenschaftler weiter.
Bei dem Saarbrücker Verfahren wird die Implantatoberfläche mithilfevon Lasern strukturiert und dann in eine Plasmakammer eingebracht, die mit einem speziellen Gasgemisch gefüllt ist. Durch das Zünden des Plasmas scheiden sich aus der Gasphase Aluminiumoxid oder Siliciumoxid ab. Sie lagern sich als Feststoff auf der Oberfläche des Implantats ab. Mit diesem Verfahren beträgt die Schichtdicke rund 30 Nanometer. Die Schicht sei wesentlich gleichmäßiger als bei anderen Verfahren, wie zum Beispiel Tauchen.
Yvonne Klöpping
Tags: Hannover Messe, INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien



