Schweizer MedTech-Unternehmen fürchten Einbußen
13.01.2012 – 10:15Wegen der negativen Wechselkursentwicklung erwarten führende Schweizer MedTech-Unternehmen für 2011 einen Rückgang ihres Umsatzwachstums auf ein Prozent. Dies ergab eine von Deloitte, Medtech Switzerland, Medical Cluster und FASMED durchgeführte Umfrage zum aktuellen Stand der Schweizer Medizintechnik-Industrie, „SMTI 2011“. Laut Studie zwinge das härtere wirtschaftliche und regulatorische Umfeld die Branche, ihr Geschäftsmodell, ihre Produkt- und Preismodelle, ihre Strukturen sowie Prozesse zu überdenken und ihre Marketing- sowie Compliance-Ressourcen zu stärken. Vor allem kleine Firmen und Zulieferer müssen sich für die Zukunft rüsten, heißt es.
Lange Zeit kaum beeinflusst von Krisen hat sich die Medizintechnik in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Perle der Schweizer Volkswirtschaft gemausert. Der medizinische Fortschritt, die demografische Entwicklung und der steigende Lebensstandard sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Medizinprodukten stets weiter wächst. Selbst im schwierigen Jahr 2008 verzeichneten praktisch alle MedTech-Unternehmen ein Wachstum von 7 bis 14 Prozent. Bei der letzten umfassenden Umfrage (SMTI 2010) rechnete die Branche für 2011 noch mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 12 Prozent. Doch im 3. Quartal wurden die Erwartungen für dieses Jahr auf ein Prozent herunter geschraubt. So sehen 90 Prozent der kürzlich befragten CFO die Ursache für ihre schrumpfenden Margen im starken Schweizer Franken. Aufgrund der Kursentwicklung gegenüber dem Euro und dem US-Dollar droht eine Verlagerung von Teilen der Wertschöpfungskette in günstigere Standorte wie Osteuropa, China, Brasilien oder Indien.
Schweizer Qualität verbunden mit tieferen Produktionskosten wäre ein mögliches künftiges Geschäftsmodell: Durch die Bündelung von Produkten und das Eingehen von Partnerschaften innerhalb der gleichen Wertekette ließen sich die knappen Ressourcen besser nutzen und Größennachteile kompensieren. Dank erhöhter Volumen könnten bessere Skaleneffekte erzeugt werden. Für einige Unternehmen wäre außerdem eine Zweimarkenstrategie sinnvoll, um die Wachstumsmärkte in den Schwellenländern mit günstigeren Produkten zu bedienen. Als weitere Lösungswege schlägt die Studie den Aufbau von Experten- und Open Innovations-Netzwerken vor. Potenzial bieten die Zusammenarbeit mit Hochschulen für Start-ups oder die Nähe zur Life Science-Industrie. Im Rahmen von e-Health entstehen zudem neue interessante Schnittstellen zu anderen Branchen wie der ICT.
Das Fazit der jüngsten SMTI-Erhebung: Wenn die MedTech-Branche am Standort Schweiz zügig ihre Hausaufgaben macht, dann hat sie nach wie vor gute Wachstumsaussichten und erhält sich ihre hohe Wettbewerbs- und Innovationskraft.
Yvonne Klöpping
Tags: Deloitte, FASMED, Medical Cluster, Medtech Switzerland, SMTI 2011, Wechselkursentwicklung




One Response to “Schweizer MedTech-Unternehmen fürchten Einbußen”
Die Wechselkurse bieten allerdings auch die Chance deutlich günstiger einzukaufen. In der Übersetzungsbranche wechseln beispielsweise zur Zeit einige Unternehmen aus der Medizintechnik zu Lieferanten aus dem EU Raum.
By Tobias Clemens Häcker on Jan 18, 2012